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<title>Mars-500</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Mars-500</span></h1>
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<p><b>Mars-500</b> war ein vom 3. Juni 2010 bis zum 4. November 2011 durchgeführtes Experiment der russischen Weltraumagentur <a href="Roskosmos" title="Roskosmos">Roskosmos</a>, der europäischen <a href="Europ%C3%A4ische_Weltraumorganisation" title="Europäische Weltraumorganisation">ESA</a> sowie der chinesischen <a href="China_National_Space_Administration" class="mw-redirect" title="China National Space Administration">CNSA</a>.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das Projekt simulierte einen <a href="Bemannter_Marsflug" title="Bemannter Marsflug">bemannten Flug zum Mars</a>, wobei sechs Freiwillige aus Russland, Frankreich, Italien und China<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> für 520 Tage in einen Komplex eingeschlossen wurden. Die anfallenden Arbeiten und Tagesstrukturen wurden so gewählt, dass sie einem Hin- und Rückflug zum Mars möglichst nahe kamen. Das Projekt wurde am IBMP (Institut für Biomedizinische Probleme) in der Nähe von <a href="Moskau" title="Moskau">Moskau</a> durchgeführt. Seine Kosten waren auf 15 Millionen <a href="United_States_Dollar" class="mw-redirect" title="United States Dollar">US-Dollar</a> veranschlagt.<sup id="cite_ref-space-2008-01-07_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-space-2008-01-07-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Zielsetzung">Zielsetzung</h2></div>

<p>Noch in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts soll ein bemannter Flug zum Mars stattfinden. Eine solche Mission ist mit extrem hohem Aufwand und vielen technischen Problemen behaftet, zumal sie wegen der großen Entfernung (je nach Planetenkonstellation zwischen 55 und 400 Millionen Kilometern) einige Wochen,<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> mit den heutigen Antrieben sogar mehr als ein Jahr dauern könnte. Während der ganzen Reise muss ein Team von etwa einem halben Dutzend <a href="Raumfahrer" title="Raumfahrer">Astronauten</a> auf engstem Raum zusammenleben. Dies kann zu Spannungen und Konflikten führen, zumal während des Hin- und Rückfluges meist nur Routinearbeit anfallen wird und daher <a href="Langeweile" title="Langeweile">Langeweile</a> ein ernsthaftes Problem werden kann.
</p><p>Man versuchte bei dem Experiment, Antworten auf folgende Fragen zu finden: Welche <a href="Gruppendynamik" title="Gruppendynamik">Gruppendynamiken</a> entwickeln sich im Verlaufe der Zeit? Welche Persönlichkeitstypen eignen sich am besten für eine Langzeitmission? Wie hilft sich die Besatzung bei Problemen, wenn externe Hilfestellungen ausgeschlossen sind?<sup id="cite_ref-esa-2007-04-02_5-0" class="reference"><a href="#cite_note-esa-2007-04-02-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Aber auch auf folgende medizinische Fragen erhoffte man sich Antworten: Welche Medikamente und Instrumente sind für die medizinische Versorgung der Crew notwendig? Wie verhält sich das Team, falls der Arzt der Besatzung krankheitshalber ausfällt?<sup id="cite_ref-esa-2007-04-02_5-1" class="reference"><a href="#cite_note-esa-2007-04-02-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Vorläuferprojekt"><span id="Vorl.C3.A4uferprojekt"></span>Vorläuferprojekt</h2></div>
<p>Bereits zwischen Juli 1999 und April 2000 führte dasselbe Institut das Projekt <i>Simulation of a Flight of International Crew on Space Station – ’99</i> (SFINCSS-99) über eine Zeit von 263 Tagen mit ähnlichen Zielen durch. Drei verbundene Kammern mit einem Gesamtvolumen von 350 m³ bildeten das Raumschiff nach.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Eine russische Vierergruppe blieb die ersten 240 Tage über in der Anlage. Sie lebten in einer 100 m³ großen, der <a href="Mir_(Raumstation)" title="Mir (Raumstation)">Mir</a> nachempfundenen Kapsel mit nur durch einen Vorhang vom Arbeitsbereich abgetrennten Schlafplätzen. Nach drei Wochen gesellte sich eine zweite Vierergruppe, ein deutscher Kommandant und drei Russen, hinzu. Diese lebten in eine, 200 m³ großen Modul, mit Einzelschlafplätzen. Da der Deutsche fließend Englisch und Russisch sprach, gab es keine Kommunikationsprobleme. Nach 110 Tagen verließ die zweite Gruppe die Anlage. Etwa drei Wochen später stieg die dritte Gruppe in das Experiment ein, zu der neben dem österreichischen Kommandanten auch ein Japaner, ein Russe und eine Kanadierin gehörten. Während des ersten Monats gab es keine zwischenmenschlichen Schwierigkeiten.
</p><p>Im Verlaufe der Neujahrsfeier kam es zu einer Prügelei zwischen einem Russen der ersten Gruppe und dem Russen der dritten Gruppe. Außerdem versuchte ein Russe der ersten Gruppe, die Kanadierin der dritten Gruppe gewaltsam zu küssen. Bei der Bewertung dieser Zwischenfälle tat sich ein kultureller Graben auf. Die Russen wiesen darauf hin, dass es in Russland normal sei, wenn sich Männer auf einer Party prügelten und dass sie erwartet hätten, dass die Kanadierin sich mit einer Ohrfeige revanchieren würde und den Vorfall mit einem Lachen abtäte. Die drei Nichtrussen lehnten diese Entschuldigungsversuche ab und verlangten, dass die betreffenden Russen aus der Anlage entfernt würden. Einer der Gründe für diesen Vorfall war, dass die Projektleitung für die Neujahrsfeier eine Flasche Champagner bereitgestellt hatte.
</p><p>Zudem gab es Kommunikationsprobleme zwischen den Besatzungen. Obwohl Englisch die offizielle Projektsprache war, konnte in der ersten Gruppe nur der Kommandant fließend Englisch sprechen. Einer der drei anderen Russen aus der ersten Gruppe wurde mit der Zeit eifersüchtig auf den gut Englisch sprechenden Russen aus der dritten Gruppe, da dieser in der Lage war, sich mit den drei Nichtrussen auszutauschen. Diese Rivalität entlud sich dann während der Feier in einer blutigen Prügelei. Erschwert wurde die Situation für die dritte Gruppe dadurch, dass die Projektleitung nur schlecht Englisch sprach und die drei Nichtrussen auf die Dolmetscherfähigkeiten des Russen in ihrer Gruppe angewiesen waren. Dessen Integration in die Gruppe litt jedoch darunter, dass seine Ehefrau als Ärztin in der Projektleitung tätig war, so dass er täglich mit ihr telefonieren konnte, was dazu führte, dass die anderen Gruppenmitglieder ihn nicht als ihresgleichen ansahen, sondern als eine Art Aufpasser von außen. Da die russische Projektleitung sich bei der Bewertung der beiden Vorfälle der Beurteilung ihrer Landsleute anschloss und keinen Teilnehmer aus der Anlage verbannte, verschlechterte sich die Stimmung bei den Nichtrussen weiter. Einen Monat später, nach 60 Tagen, verließ der Japaner die Anlage vorzeitig. Die übrigen Teilnehmer brachten das Experiment wie vorgesehen zu Ende.<sup id="cite_ref-SFINCSS-99_7-0" class="reference"><a href="#cite_note-SFINCSS-99-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Die_Crew">Die Crew</h2></div>
<p>Die neue Crew, bestehend aus 3 Russen, einem Franzosen, einem Italiener und einem Chinesen, stand unter der Leitung des damals 38-jährigen, russischen Kommandanten Sitev Alexey Sergevich.
</p><p>Die Crew unterteilte sich in drei Forscher/Wissenschaftler, einen Bordingenieur sowie einen Bordarzt.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Aufbau_der_Station">Aufbau der Station</h2></div>


<p>Beim Mars-500-Experiment bestand die Station aus vier <a href="Modularit%C3%A4t" title="Modularität">Modulen</a>, die unterschiedlichen Zwecken dienten:<sup id="cite_ref-esa-2008-05-27_10-0" class="reference"><a href="#cite_note-esa-2008-05-27-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<ol><li>ein Medizin- und Forschungsmodul (38 m²)</li>
<li>ein Wohnmodul mit Betten (72 m²)</li>
<li>ein Mars-Modul (39 m²), in dem die Oberfläche des Mars simuliert wurde. Dieses Modul war nur während 30 Tagen zugänglich.</li>
<li>ein Vorratsmodul mit abgepacktem Essen und Verbrauchsmaterial (94 m²)</li></ol>
<p>Die gesamte nutzbare Fläche betrug 243 m² mit einem Rauminhalt von 550 m³. Dies entspricht einer durchschnittlichen Raumhöhe von 2,26 m. Nebenstehende Grafik gibt einen Überblick über die Anordnung der Module.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Kandidaten">Kandidaten</h2></div>
<p>Der Erfolg von Mars-500 hing entscheidend von der Wahl der geeigneten <a href="Kandidat" title="Kandidat">Kandidaten</a> ab. Bei der Stellenbeschreibung wurden Kandidaten mit folgenden Eigenschaften gesucht:
</p>
<ul><li>Alter: 25 bis 50 Jahre</li>
<li>Gesund und körperlich fit</li>
<li>Universitätsausbildung</li>
<li>Ausbildung in einem der folgenden Gebiete war erwünscht: Medizin oder <a href="Erste_Hilfe" title="Erste Hilfe">Erste Hilfe</a>, Physik, Biologie oder Ingenieur auf einem der folgenden Gebiete: Lebenserhaltungssysteme, Computertechnik, Elektronik oder Mechanik</li>
<li><a href="Sprachfertigkeit" title="Sprachfertigkeit">Sprachfertigkeit</a> der <a href="Englische_Sprache" title="Englische Sprache">Englischen</a> und <a href="Russische_Sprache" title="Russische Sprache">Russischen Sprache</a></li></ul>
<p>Die <a href="Europ%C3%A4ische_Weltraumorganisation" title="Europäische Weltraumorganisation">ESA</a> stellte als Projektpartner für eine Vorläuferstudie zwei der sechs Besatzungsmitglieder. In dieser Studie absolvierten die Besatzungsmitglieder eine 105-tägige simulierte Marsmission. Nach Stellenausschreibung der ESA am 19. Juni 2007 bewarben sich 5600 Personen.<sup id="cite_ref-esa-2008-05-27_10-1" class="reference"><a href="#cite_note-esa-2008-05-27-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Am 11. Dezember 2008 wurden in einer Pressemitteilung der ESA die Namen der vier ESA-Kandidaten bekannt gegeben: Cedric Mabilotte, Oliver Knickel (ein zur Projektlaufzeit 29-jähriger Bundeswehrhauptmann), Cyrille Fournier und Arc'hanmael Gaillard.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der Lohn betrug 120&nbsp;Euro am Tag, das entspricht einem Jahreslohn von 43.800&nbsp;Euro.<sup id="cite_ref-spiegel-2007-06-19_12-0" class="reference"><a href="#cite_note-spiegel-2007-06-19-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Simulation wurde am 14. Juli 2009 erfolgreich beendet.<sup id="cite_ref-ESA-Presse-2009-07-14_13-0" class="reference"><a href="#cite_note-ESA-Presse-2009-07-14-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Am 23. März 2010 wurden die Namen der Kandidaten bekannt gegeben, welche auf die 520-tägige Hauptsimulation vorbereitet wurden: Jerome Clevers (Belgien), Arc'hanmael Gaillard (Frankreich), Romain Charles (Frankreich) und Diego Urbina (Italien/Kolumbien). Die <a href="Europ%C3%A4ische_Weltraumorganisation" title="Europäische Weltraumorganisation">ESA</a> durfte zwei von ihnen in die Simulation entsenden.<sup id="cite_ref-ESA-Presse-2010-03-23_14-0" class="reference"><a href="#cite_note-ESA-Presse-2010-03-23-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Roskosmos gab am 18. Mai 2010 die Teilnehmer der Marsmissionssimulation bekannt: Seit dem 3. Juni 2010 bildeten Romain Charles (Frankreich, Alter 31 Jahre, Ingenieur), Suchrob Kamolow (Russland, 32 Jahre, Chirurg), Michail Sinjelnikow (Ersatz, Russland, 37 Jahre, Ingenieur), Alexei Sitjew (Russland, 38 Jahre, Ingenieur), Alexander Smolejewski (Russland, 33 Jahre, Allgemeinarzt), Diego Urbina (Italien, 27 Jahre, Ingenieur) und Wang Yue (China, 27 Jahre, <a href="Taikonaut" class="mw-redirect" title="Taikonaut">Taikonautenausbilder</a>) die Besatzung. Die Vergütung betrug rund 99.000 US-Dollar.<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Ablauf">Ablauf</h2></div>
<p>Die sechsköpfige Crew war ab dem 3. Juni 2010 für 520 Tage in dem beschriebenen Komplex von vier Raummodulen luftdicht isoliert, ein Kontakt zur fiktiven <a href="Mission_Control_Center" class="mw-redirect" title="Mission Control Center">Bodenstation</a> war nur über eine simulierte Funkverbindung und E-Mail möglich. Der Funkkontakt wurde je nach Zeitpunkt der Mission um bis zu 20 Minuten (je Richtung) verzögert, wie es aufgrund der großen Distanz bei einer Reise zum Mars oder zurück auftreten wird.<sup id="cite_ref-esa-2007-04-02_5-2" class="reference"><a href="#cite_note-esa-2007-04-02-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das Essen wurde zu Beginn des Projektes mit eingeschlossen und war streng rationiert. Zudem musste die Crew simulierte Notfälle meistern.<sup id="cite_ref-astronews-2007-04-03_16-0" class="reference"><a href="#cite_note-astronews-2007-04-03-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Mission gliederte sich in drei Hauptteile:
</p>
<ul><li>Hinflug zum Mars: 250 Tage.</li>
<li>Aufenthalt von 3 Crewmitgliedern im Mars-Modul: 30 Tage.</li>
<li>Rückflug zur Erde: 240 Tage.</li></ul>
<p>Während der Isolationszeit wurden ähnliche Arbeiten wie auf der <a href="Internationale_Raumstation" title="Internationale Raumstation">Internationalen Raumstation</a> durchgeführt. Dies waren vor allem: medizinische Untersuchungen, Körpertraining sowie Reparatur und Unterhalt der Station. Nebenbei fielen auch ganz normale Hausarbeiten und Körperpflege an. Sofern nicht spezielle Situationen eine Abweichung erzwangen, wurde ein Arbeitsrhythmus von 5 Arbeitstagen und 2 arbeitsfreien Tagen eingehalten.<sup id="cite_ref-mars500.imbp.ru_17-0" class="reference"><a href="#cite_note-mars500.imbp.ru-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Am 14. Februar 2011 „erreichte“ das Team die Marsoberfläche nach 250 Tagen.<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Am 4. November 2011 wurde das Projekt beendet.<sup id="cite_ref-19" class="reference"><a href="#cite_note-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-20" class="reference"><a href="#cite_note-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Ergebnisse">Ergebnisse</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Psychologische_Aspekte">Psychologische Aspekte</h3></div>
<p>Die für die Auswertung verwendeten Daten stammen aus Fragebögen, Interviewvideos und dem Protokoll, aber auch Messdaten. Die Analyse dieser Daten wies einige Probleme auf. Insgesamt wurden die Männer mit zunehmender Zeit immer weniger aktiv. Sie verbrachten auf der <i>Rückfahrt</i> deutlich mehr Zeit im Bett als im ersten Teil der Mission. Laut einer Studie in <a href="Proceedings_of_the_National_Academy_of_Sciences_of_the_United_States_of_America" title="Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America">Proceedings of the National Academy of Sciences</a> erging es einigen Testpersonen deutlich schlechter als anderen. Einer der Männer lebte beispielsweise in einem 25-Stunden-Rhythmus, ein anderer machte überdurchschnittlich viele Nickerchen am Tag. Zusammen verbrachten diese beiden ein Fünftel ihrer Zeit im Bett. Das dritte Mitglied litt unter einer chronischen Schlafstörung und hatte dementsprechend viel mit Müdigkeit zu kämpfen. Das führte zu vielen Fehlern in den Computertests. Eine weitere Studie soll auch zeigen, dass ein viertes Mitglied unter Depressionen litt. Nur zwei der Männer sollen sich ganz gut angepasst haben.<sup id="cite_ref-21" class="reference"><a href="#cite_note-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Während der Mission gab es außerdem verschiedene Phasen, in denen verschiedene Zustände der Testpersonen festgestellt werden konnten. Zunächst, in den ersten zwei bis drei Monaten, war die Besatzung noch voller Enthusiasmus und Motivation. Darauf folgend begann eine Phase der Trägheit, Langeweile und Depression. Diese Situation verbesserte sich mit der näher rückenden Marslandung. Nach der Außenmission fiel die Besatzung wieder in bekannte Muster der Monotonie. Darüber hinaus wurde etwa bei der Hälfte der Zeit festgestellt, dass sich die Crewmitglieder zurückzogen und die Stimmung sich verschlechterte. Die Kommunikation außerhalb der Arbeit nahm weiter ab. Zwei bis drei Monate vor Ende der Mission verbesserte sich der Zustand dann wieder, es wurde wieder mehr kommuniziert und in der Freizeit unternommen. Damit einhergehend stieg aber auch die Empfindlichkeit und Reizbarkeit, was zu mehr Meinungsverschiedenheiten führte. Dies zeigt, dass sich Aktivitäten positiv auf die Teilnehmer auswirkten. Zudem schienen neuartige Aufgaben während der Marslandezeit hilfreich, um die Motivation zu aktivieren und die negativen psychischen Effekte, insbesondere Depression und Monotonie, abzuschwächen. Die Zeit stellt also einen Hauptfaktor für die Psyche der Besatzung dar. Neben der Dauer der Mission gibt es aber auch noch andere Faktoren, welche für die psychische Gesundheit wichtig sind. Dazu zählten unter anderem das Ausfüllen von Fragebögen oder physische Tests.<sup id="cite_ref-22" class="reference"><a href="#cite_note-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Mikrobiologie">Mikrobiologie</h3></div>
<p>Außerdem wurde die Anreicherung verschiedener Bakterien im Körper der Astronauten gemessen. Diese Messungen ergaben, dass sich durch die Isolation deren Anzahl und Art stark verändert hat. Zum einen konnte man feststellen, dass durch die Änderung der Ernährung deutliche Veränderungen in der Mikrobiologie auftraten. Aber auch die Anreicherung unbekannter Arten wurde beobachtet; dies stellt wohl noch eine Herausforderung für die Forscher dar. Ein weiterer Aspekt war, dass man den Abbau von entzündungshemmenden Bakterien im Magen-Darm-Trakt feststellen konnte. Diese Beobachtung deckt sich auch mit den Symptomen der Testpersonen wie Darmentzündungen und Insulinresistenz. Ein Vergleich der körpereigenen Bakterien und denen aus der Umgebung zeigte außerdem, dass zwischen diesen ein Zusammenhang besteht. Dies soll laut den Forschern der erste Beweis dafür sein, dass eine langfristige Isolation einen potenziell schädlichen Einfluss auf die Mikrobiologie im Körper hat.<sup id="cite_ref-23" class="reference"><a href="#cite_note-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Kritik_und_Diskurs">Kritik und Diskurs</h2></div>
<p>Das Projekt stand auch unter Kritik, insbesondere hinsichtlich folgender Punkte:
</p>
<ul><li>Nicht-Übertragbarkeit der Resultate: Da das Projekt in mehreren wichtigen Punkten von einer echten Mars-Mission abwich (fehlende Schwerelosigkeit und Strahlenbelastung, jederzeit möglicher Zugang zu den Modulen von außen, geringere Ernsthaftigkeit), war nicht gewährleistet, dass sich die gewonnenen Erkenntnisse auf eine Marsmission übertragen lassen.<sup id="cite_ref-news-adhoc-2009-07-03_24-0" class="reference"><a href="#cite_note-news-adhoc-2009-07-03-24"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li>„<a href="Gro%C3%9Fer_Bruder" title="Großer Bruder">Big Brother</a>“: In den Modulen wurden viele Kameras installiert, wodurch eine nahezu komplette Überwachung der Crew möglich war.<sup id="cite_ref-esa-2007-04-02_5-3" class="reference"><a href="#cite_note-esa-2007-04-02-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li>Rein männliches Team: Das soziale Verhalten einer eingeschlossenen gemischten Gruppe wurde nicht erforscht.</li></ul>
<p>Die Frage, inwiefern sich die Erkenntnisse auf eine spätere Marsmission übertragen lassen, kann erst nach Abschluss einer echten Marsmission beantwortet werden. Die Befürworter des Mars-500-Projektes argumentierten allerdings, dass die simulierte Marsmission möglichst realitätsnah gestaltet werden sollte – soweit das technisch möglich und finanziell tragbar gewesen sei. Bei den Videoaufnahmen wurde großer Wert auf Privatsphäre gelegt. Die Überwachung diente nur der genaueren Auswertung der Mission.<sup id="cite_ref-esa-2007-04-02_5-4" class="reference"><a href="#cite_note-esa-2007-04-02-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.imbp.ru/Mars500/Mars500-e.html">Offizielle Seite des Projekts</a> (englisch)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://mars500.imbp.ru/en/index_e.html">Institut für Biomedizin</a> Durchführendes Organ des Projekts (englisch)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.spiegel.de/video/video-58769.html">Videobeitrag von Spiegel Online</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,795639,00.html#ref=nldt">Interview 4. November 2011 in Spiegel online</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.orf.at/stories/2087773/2087755/">ORF: Ablauf des Experimentes</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Marskolonisation" title="Marskolonisation">Marskolonisation</a></li>
<li><a href="Mars_One" title="Mars One">Mars One</a></li>
<li><a href="Biosph%C3%A4re_2" title="Biosphäre 2">Biosphäre 2</a></li>
<li><a href="BIOS-3" title="BIOS-3">BIOS-3</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<div class="mw-references-wrap mw-references-columns"><ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://mars500.imbp.ru/en/partners.html"><i>«Mars-500» project.</i></a><span class="Abrufdatum"> Abgerufen am 15.&nbsp;November 2018</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AMars-500&amp;rft.title=%C2%ABMars-500%C2%BB+project&amp;rft.description=%C2%ABMars-500%C2%BB+project&amp;rft.identifier=http%3A%2F%2Fmars500.imbp.ru%2Fen%2Fpartners.html">&nbsp;</span></span>
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<li id="cite_note-news-adhoc-2009-07-03-24"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-news-adhoc-2009-07-03_24-0">↑</a></span> <span class="reference-text"><span style="display:none"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://deadurl.invalid/http://www.news-adhoc.com/kosmosveteran-bezweifelt-nutzen-des-mars-500-experiments-idna2009070338496/">@1</a></span><span style="display:none"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.news-adhoc.com/kosmosveteran-bezweifelt-nutzen-des-mars-500-experiments-idna2009070338496/">@2</a></span><span style="display:none">Vorlage:Toter Link/www.news-adhoc.com</span> <small>(Seite nicht mehr abrufbar. <a rel="nofollow" class="external text" href="http://timetravel.mementoweb.org/list/2010/http://www.news-adhoc.com/kosmosveteran-bezweifelt-nutzen-des-mars-500-experiments-idna2009070338496/">Suche in Webarchiven</a>)</small></span>
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